Datum/Zeit
Datum/Daten: 29.11.2026
10:30 - 13:30
Veranstaltungsort
Die Ottobrunner Kinos, Smoky
Eintritt ist frei – Spenden sind willkommen
Teheran, Herbst 2022: Iman (Misagh Zare) wird nach zwanzig Jahren im Staatsdienst zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht befördert. Seine Frau Najmeh (Soheila Golestani) träumt schon von einer größeren Wohnung. Doch der neue Posten hat seinen Preis: Iman soll Todesurteile unterschreiben, ohne die Akten gelesen zu haben. Zur selben Zeit stirbt die junge Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam, und im ganzen Land beginnen Proteste unter dem Ruf „Frau, Leben, Freiheit“. Die Töchter Rezvan (Mahsa Rostami), eine Studentin, und Sana (Setareh Maleki), noch Schülerin, sehen die Gewalt gegen Demonstrierende auf ihren Smartphones. Immer deutlicher stellen sie sich gegen das Weltbild ihrer Eltern.
Als Imans Dienstwaffe in der Wohnung verschwindet, kippt das Familiendrama. Aus Misstrauen wird Paranoia, Verhöre ersetzen Gespräche, und der Film wird zum Thriller unter freiem Himmel. Der Titel spielt auf die Würgefeige an, deren Samen auf einem Wirtsbaum keimen und ihn am Ende erdrücken. Das Bild steht für ein System, das seine eigenen Stützen zerstört.
Mohammad Rasoulof („Doch das Böse gibt es nicht“) drehte heimlich im Iran, unter großem Risiko für alle Beteiligten. Er schneidet echte Handyaufnahmen der Proteste in die Spielhandlung. Diese Einbrüche der Wirklichkeit durchstoßen die abgeschottete Welt der Wohnung, in der sich die Familie verschanzt. Klar und genau zeigt der Film, wie die Unterwerfung unter ein autoritäres Regime bis in die engsten Beziehungen reicht. Zugleich ergreift er Partei für den rebellischen Feminismus einer jungen Generation.
Auch die Entstehung des Films ist ein Stück Zeitgeschichte. Rasoulof wurde im Iran zu acht Jahren Haft und Peitschenhieben verurteilt. Kurz vor der Weltpremiere in Cannes 2024 floh er nach Deutschland, wo er heute lebt. In Cannes gewann der Film den Spezialpreis der Jury. 2025 folgte als deutscher Beitrag die Oscar-Nominierung für den besten internationalen Film.
https://www.deutscher-filmpreis.de/film/die-saat-des-heiligen-feigenbaums/












